Verhalten Handeln im Internet Psychologie

Warum wir im Internet handeln, wie wir handeln – gültige Erkenntnisse auch für die digitale Kollaboration

Dopamin

Wissenschaftler nahmen bisher an, dass Dopamin ein Glückshormon im Gehirn ist. Heute ist bekannt, dass es mehr als das ist und unser Verlangen, Streben und Wollen maßgeblich beeinflusst. Dopamin wird durch kleine unvorhersehbare Informationseinheiten und unser internes Belohnungssystem stimuliert – ein bisschen wie die sozialen Medien funktionieren.

Die Sogwirkung von Dopamin ist sehr stark. Studien haben nachgewiesen, dass dem Twittern bei Süchtigen ähnlich schwer zu widerstehen ist, wie Zigaretten oder Alkohol.

Oxytocin

Das “Bindungshormon” stärkt das Vertrauen und fördert soziale Bindungen. Es wird auch als das Kuschelhormon bezeichnet und wird bei einem Kuss, einer Umarmung oder auch bei einem Tweet ausgeschüttet.

Nach 10 Minuten Social Media steigt der Pegel von Oxytocin um ca. 13% an – ein vergleichbar hoher Wert wird bei manchen Personen am Tag der Hochzeit nachgewiesen. Aber Oxytocin kann noch mehr. Es verringert Stress und ähnlich wie bei den Beispielen oben fördert es Einfühlungsvermögen, Vertrauen, Großzügigkeit und Zuneigung mit jeder Social Media Aktivität.

Stärkeres Selbstwertgefühl

Menschen widmen 30% – 40% ihrer Gesprächszeit dafür, über sich selbst zu sprechen. Online steigt dieser Werte heute auf gut 80%.

Warum? Eine persönliches Gespräch ist chaotisch, häufig emotional und manchmal auch anstrengend. Wir haben immer weniger Zeit über die Bedeutung der Mimik oder Körpersprache des Gegenübers nachzudenken und es zu interpretieren. Online sieht das anders aus. Hier können wir die Bedeutung einfach gestalten und aufbereiten. Psychologen nennen das Selbstrepräsentation, also die Art und Weise der Darstellung, wie wir selbst gesehen werden wollen.

Das Gefühl bei der Selbstrepräsentation ist so stark, dass nach der Einsicht des eigenen Facebook-Profils bei Probanden eine stärkeres Selbstwertgefühl nachgewiesen werden konnte.

Marken definieren, wer wir sind

Kleidung, Spiele, Music oder das Logo auf Deinem Laptop. Es ist bemerkenswert, welche starke emotionale Bindung Menschen gegenüber Ihren bevorzugten Marken aufbauen. Bei einem Experiment wurden Probanden zwei Fotos gezeigt: Eine Marke als Logo, die sie gern mochten und Fotos eines nahestehenden Partners oder Freundes.

Die physiologische Erregung in Bezug auf das Logo generierte die gleichen Werte wie die Betrachtung der Fotos der nahestehenden Menschen. Dinge und vor allem Marken sind ein wichtiger Teil unseres Selbst und definieren, wer wir sind. Deshalb machen wir Postings darüber.

Warum wir so gern teilen

Informationen weiterzugegeben, ist ein menschlicher, „hartverdrahteter“ Impuls. Allein der Gedanke, etwas zu teilen aktiviert das Belohnungszentrum in unserem Gehirn – noch bevor wir es überhaupt getan haben. Es steht in direktem Zusammenhang mit der Selbstrepräsentation und der Stärkung unserer Beziehungen zu anderen.

Der wichtigste Grund bezieht sich immer auf andere Menschen. 78% der Befragten einer Umfrage äußerten, dass es Ihnen hilft in Verbindung mit anderen zu bleiben.

Soziale Währung: Wenn wir den richtigen Inhalt teilen, ist das wie ein soziales Zahlungsmittel. Unsere sozialen Aktien steigen. 62% der Menschen äußerten sich, dass sie sich besser fühlen, wenn andere positiv auf ihre Posts in sozialen Medien antworten.

Warum wir liken

Wir tun das, weil wir Beziehungen pflegen und erhalten wollen. Wenn wir Posts von anderen „liken“ und weiterverteilen, fügen wir der jeweiligen Beziehung einen Wert hinzu und verstärken die Bindung zu der Person. Zudem wird der Reziprozität-Effekt aus der Soziologie gefördert. Wir fühlen uns dazu verpflichtet, etwas zurückzugeben. Auch wenn es nur etwas kleines ist, damit wir das „Konto“ der Beziehung wieder ausgleichen.

Ein Soziologe hat als Versuch 600 Weihnachtskarten an zufällig ausgewählte Personen versendet und erhielt 200 Weihnachtskarten dafür zurück im Gegenzug. Das ist die Macht der Reziprozität, die wir von Rosenverkäufern, Probierständen, und Kuscheltierhinlegern kennen.

Warum wir kommentieren

Auch Kommentieren kann ein machtvolles Instrument sein. Es gibt das Phänomen der geteilten Realität. Es geht davon aus, dass wir etwas genauso wahrnehmen, wie wir es von anderen geteilt bekommen und wie wir es selber teilen. 85% der Personen, die einen Kommentar lesen, gehen davon aus, dass der Vorgang Ihnen dabei hilft Informationen und Ereignisse besser zu verstehen und zu verarbeiten.

Aus Studien ist bekannt, dass allein das Attackieren eines Autors ohne Gründe ausreicht, um unsere Meinung negativ zu Ihm zu ändern. Auf der einen Seite führt es dazu, dass nette Kritiken auch wenn sie negativ sind z.B. eine Marke ehrlich und gesund erscheinen lassen. Kommentieren hat also eine wichtige Funktion. Weniger in Bezug auf die konkrete Antwort als auf die geteilte Realität insgesamt zu den Informationen.

Selfies

Psychologisch schenken wir Gesichtern mehr Aufmerksamkeit als allem anderen. Das Profilbild ist das erste, das unser Auge auf einer Social Media-Seite wahrnimmt. Auf Instagramm erhalten Bilder mit Gesichtern 38% mehr “Likes“ und 32% mehr Kommentare.

Eye-tracking Studien zeigen, das wir den den Augen einer Person folgen, die sich sogar auf einem Screen bewegt. Zusätzlich erhöhen Bilder das Einfühlungsvermögen für Personen. Ein Experiment zeigte, dass Ärzte, bei denen Fotos der Patienten in der Akte abgebildet waren, mehr Erfolge bei der Behandlung erzielten als Ärzte ohne Patientenfoto in der Akte.

Fazit

Was für die sozialen Medien gilt, gilt auch für den digitalen Arbeitsplatz und die digitale Kollaboration in Unternehmen. Hier finden Sie Antworten, warum Kommentare, Sharen, Inlines, Aufgaben, Liken sowie Fragen und Antworten wichtig für die Unternehmenskultur sind.

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